aktuelle Infos von der Basis:

Aus dem Tagebuch eines Dosenhalters:

20.11.2005 Silkeborg vs. Esbjerg (EfB)

Im Rahmen der Paulizeilandverschickung Betreutes Wohnen in Dänemark“ wollten wir diesmal auch einen Länderpunkt machen. Wir schrieben den FC St. Pauli – Fanclub „Brune Sterne“ an. Die empfahlen uns so einige Spiele und leider ist unser Urlaubsquartier zu weit von Kopenhagen entfernt. Dort gab es das Spiel pink-grün gegen blau-rosa mit anschließender Party der Fans. Taxipreise für 300 – 400 km in Dänemark? Schluck! Mist, weitersuchen. Das Esbjergstadion ist in unmittelbarer Nähe zu unserem Urlaubsquartier. Leider hatte der EfB ein Auswärtsspiel, dieses jedoch in Silkeborg. Das war dann trotzdem das nächstgelegene Spiel.

Nach einiger Sucherei fanden wir die Internetseite der Blue Knights“, einen Fanclub des EfB. Diese boten eine Busreise nach Silkeborg für 150,00 Kronen pro Person an. Also flugs eine Mail an die Blue Knights und ruck-zuck bekamen wir eine dänische Antwort:

Die Verhältnisse auf dem Silkeborg Stadion sind sehr schlecht. Die Aussenwertsfans werden Stehplätze angewiesen ohne Dach über den Kopf (aber wir sind alle lustig)

Na, das klingt doch wie daheim. Und wie kommen wir zum Bus?

Fahranweisung nach Frodesgarde 175, Esbjerg. Wenn Ihr aus Vejers Richtung Esbjerg fahren, fährt ihr so weit ihr kann gerade aus. Die strasse endet in einem T-kreutz mit ein Ampelregulierung (bei der statue mit den vier weissen Männer). Hier fährt ihr nach links, und fahren gerade aus bis ihr kommt zu einem „Rundfahrt“ heisst es so auf Deutsch? Roundabout, Hier nehmt ihr die vierte Strasse (Frodesgade) und unser Klubhaus befindet sich 20 meter nach vorn auf der linken Hand. Es gib tein Schild.

Jetzt wird mir so langsam klar, warum die Schotten immer so grinsen, wenn ich denen mit meinem Behelfsenglisch etwas erkläre. Aber irgendwie ist es klasse, dass unsere Kontaktperson deutsch spricht. Unsere Sprachkenntnisse beschränken sich eben auf besagtes Behelfsenglisch.

Der Bus fuhr dann auch in Oksböl ab, was noch ein ganzes Stück näher an unserem Wohnheim ist. Zu fünft machten wir uns dann an einem nasskalten Sonntagmorgen (!!!) zum Treff in Oksböl auf. Dort traf Jan ein, der sich als Reiseleiter vorstellte und uns so einige Infos gab. Z.B., dass es im Bus ausreichend Chips und Bier gibt. Also blieb unsere Tasche mit dem Bier im Auto und Chips hatten wir sowieso vergessen. Es gab dann auch im Bus gut gekühltes Carlsberg und Tuborg zu einem trinkbaren Preis. 120,00 Kronen für eine 11er Karte. Ja, statt Knappenkarte gibt es bei den Dänen eben eine Bierkarte in die pro Bier ein Loch gelocht wird. Klappt auch besser als die Knappenkarte. Vermutlich werden in der langen dänischen Winterpause dann die Löcher in ehrlicher Kinderarbeit wieder zugeklebt. Die Karte hat 11 Bier auf der Uhr und, da 11 als Primzahl nur sehr schwer durch fünf Reisende teilbar ist, musste ich mich dann opfern, um Streitigkeiten zu vermeiden. Der Reisebus war übrigens ein blauer Doppeldecker und in Esbjerg kam dann ein zweiter Bus hinzu und mit ungefähr 100 Esbjergfans ging es dann ab nach Silkeborg.

Eigentlich sah der Bus ganz anständig aus; aber woher hatte Pauli plötzlich die Schrauben und Muttern und wieso wackelte mein Sitz?

Auch die Mutmassungen einiger Mitreisenden, dass wir es mit Dänenhools zu tun haben, die schon seit Jahren auf eine Gelegenheit warten einigen FC St. Pauli – Zecken aufs Maul zu hauen, wiesen sich als mehr als unbegründet. Und die Nummer mit dem FC St. Pauli – Luftballon klappt nicht nur in schottischen Pubs, sondern auch in dänischen Reisebussen.

Bloß den Totenkopf auf einem Sweater wussten sie wohl nicht so richtig einzuordnen. Und außerdem wurden wir ständig gefragt, ob wir als Hamburger von so einem komischen Stellinger Vorortverein kämen. Hier konnten wir aber schnell klar machen, dass unsere Freunde von der Müllverbrennungsanlage kein Hamburger Verein sind.

In Silkeborg angekommen staunten wir erstmal über das Stadion. Wieso kann sich so ein kleiner Verein ein neues Stadion leisten und wieso ist Stadionneubau bei uns nur ein Running Gag? Aber irgendwie auch gut so; ich mag das Millerntor so, wie es ist. Das Silkeborgstadion ist eine Stahl – Betonkonstruktion für etwa 14.000 Zuschauer. Drei Seiten des Feldes sind mit Tribünen und Sitzplätzen. Die Heimkurve hat an den Ecken so einige Stehplätze. Der Gästebereich hat als reiner Stehplatzbereich etwa die Qualität des Spielbudenplatzes. Also etwas besser als die Nordkurve aber auch kleiner.

Die Haupttribüne war dann das Grauen. Auf halber Höhe war eine Vollverglasung hinter der sich ein Restaurant oder so etwas befand. Samt Kletterbaum und Tische, die bis ans Fenster ranreichten und anständig angezogene Menschen, die dem niederen Fanvolk und dem Treiben auf dem Rasen schall- und wettergeschützt zuschauen konnten, wenn es denn überhaupt interessiert. Wie ist denn heute der Shrimpscocktail und wie war das Spiel? Warum freue ich mich gerade, dass das unser Verein den Stadionneubau nicht auf die Reihe bekommt? Wer die richtige Antwort weiß, darf sich beim nächsten Heimspiel einen Doha kaufen.

Der Toilettenbereich im Gästebereich ist ein holzverkleideter Bauwagen, den jetzt ein FC St. Pauli – Aufkleber ziert. Hoffentlich ist da noch keiner die bauwagentypisch schmale Treppe rauf oder runtergestürzt. So etwas wird wohl ein typischer Pinkelunfall in Silkeborg sein. Die Wuarst dort ist vom Holzkohlegrill und sehr lecker. Die Einlasskontrolle ist mit der LV aus Policeacademy vergleichbar und eine Bierdusche führt zum Stadionverweis. Erik, der uns auch bei der Vermittlung der Mitfahrgelegenheit half (noch mal ein fettes Danke an dich und komme mir ja bald nach Hamburg) erklärte, dass es wohl Ärger wegen Bengalos gab und die deswegen gerade übergenau sind. Zäune gibt es übrigens nicht.

Es waren wohl so 2.000 3.000 Zuschauer beim Spiel. Davon bestimmt so 100 im Warmduscherbereich.

Der Support war für die Zahl der mitgereisten EfB – Fans gut und die Silkeborgfans machten eine kleine Choreo beim Einlauf.

Das Spiel selbst war eher nicht so doll. Die 1 : 0 Führung der Silkeborger glichen die Esbjerger mit einem psychologisch wichtigem Tor vor der Halbzeit aus (Pling – grunz). Leider wussten die Esbjerger wohl nicht, dass Tore kurz vor der Halbzeit psychologisch wichtig sind; jedenfalls verloren sie 1 : 2 und machten damit meine Hoffnungen die Tippkasse der Esbjerger zu plündern (ich hatte auf ein 2 : 2 getippt) zunichte.

Das Tor für die Esbjerger schoss der dortige Publikumsliebling Fredrik Berglund. Ansonsten war von ihm das ganze Spiel nicht viel zu sehen. Ein typischer Knipser eben. Ansonsten fiel mir weder von den Silkeborgern noch von den Esbjergern ein Spieler positiv auf. Ein Mitreisender meint, dass Michael Murcy ganz gut gewesen wäre. Die 3 Tore zählen aber zu den wenigen aufregenden Spielszenen. Optisch überlegen schienen mir die Esbjerger. Vor dem Strafraum waren aber die Silkeborger effektiver.

Gerne hätte ich Koljar Afriyie, einen deutschen ehemaligen U 19 - Nationalspieler gesehen, der jetzt bei Esbjerg kickt. Leider war dieser verletzt.

Die Rückfahrt wurde dann trotz der Niederlage sehr entspannt, angenehm und wir alle waren lustig. Neben lauten Gesängen und netten Gesprächen mit den Dänen tat hier das eiskalte Tuborg (weitere 11er Karten) sein Werk. Schade, ich hätte unseren Gastgebern die 3 Punkte gegönnt. Hat nicht sollen sein und ich hoffe, dass wir einen guten Eindruck hinterlassen haben und darauf, dass wir den Esbjergern nächstes Jahr bei einem erfolgreichen Heimspiel zuschauen dürfen. Und, dass sie alle sehr lustig sind.

Gruß

dohaontour